Briefe aus der Quarantäne

1. Auflage, 2021, 115 Seiten

Engelsdorfer Verlag, Leipzig, ISBN 978-3-96940-151-4

 

Als Ungarn im März 2020 seine Pforten schloss, war ich gerade in meinem Bauernhaus am Fuße des Klosters Pannonhalma. Ich beschloss, mich um eine offizielle Wohnerlaubnis (lákcimkártya) in meinem ungarischen Dorf zu bemühen und im Bauernhaus abzuwarten, bis Ungarn die Grenzen wieder öffnet.

In meinem großen Garten gibt es viele Wunder zu erleben. Bis Ende Juni konnte ich die Vögel, angefangen von Sperlingen, Meisen, Buntspechten, Distelfinken… bis zu Kernbeißern, durchgehend bewundern. Ein Amselpaar brütete in meinem Carport und zog dreimal vier Jungvögel groß. Eine Meisterleistung! Auch ein Hausrotschwänzchen hatte Nachkommen. Viele Vogelkästen wurden von Sperlingen belegt, die in großer Formation durch den Garten hüpften. Es gibt sogar einen Kasten für Fledermäuse. Sie sausten uns am Abend um die Ohren.

Ich hatte Kirschen, Aprikosen, später auch Pflaumen, Äpfel, Nüsse,… Zucchini und Tomaten zu ernten. Das Dorf ist sowieso ein Paradies. Was man nicht selbst erntet, bekommt man von den Nachbarn geschenkt. Da man sich vor Ansteckungen hüten musste, war das Jahr auch ein bisschen einsam…. Es war also ein Jahr zum Nachdenken.

Meine Erlebnisse beschrieb ich fortlaufend in Briefen an meine Enkelin Amelie. Amelie berichtete von ihrer Schule in Österreich, ihrem „Home Office “ und vom Maskentragen in der Schule. Unsere Korrespondenz per Internet fasste ich letztlich hiermit in den Briefen aus der Quarantäne zusammen.